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  • Felix Wachholz

REFLEX-MYTHOS | Reflexe trainieren?

Warum “Reflexe” keine Rolle im eSport spielen. #esport #training #reflex

eSportler sprechen oft von Reflexen und wie wichtig diese für eine gute In-Game Performance sind. Gleichzeitig stellt sich dann oft die Frage, ob diese Reflexe denn auch trainiert werden können.

Vorweg: Reflexe sind unwillkürliche (=also nicht bewusste) Ansteuerungen vorm Körper und sie sind anpassungsfähig und somit auch in gewisser Art und Weise trainierbar. Das heißt, wenn ich oft in einer Situation bin in der ein Reflex “erzwungen” wird, dann wird dieser Reflex auch “besser”.

Im eSport wird der Begriff Reflex allerdings oft inflationär verwendet, was einfach bedeutet, dass in den meisten Situationen bei denen von einem Reflex gesprochen wird eigentlich die Reaktion gemeint ist. Ihr wollt beim Zocken ja schließlich schnell auf eine unerwartete Situation reagieren. Das heißt ihr nehmt eine Spielsituation bewusst wahr (= visueller Input), überdenkt diese ganz kurz (= Verarbeitungsprozess) und handelt anschließend im besten Fall schnell genug und genau richtig (= Output). Diese Spielsituation habt ihr aber ganz bewusst (= willkürlich) angesteuert und daher handelt es sich eben nicht um einen Reflex, sondern um eure Fähigkeit zu reagieren.

Bei Situation in denen ihr gefühlt eine Handlung aus Reflex macht, sprich ihr merkt gar nicht, dass ihr über die Situation nachdenkt und macht sie einfach, spielt vor allem die Spielerfahrung eine große Rolle. Dadurch, dass ihr schon viele unterschiedliche, teils ähnliche Situationen gehabt habt, weiß euer Gehirn einfach automatisch schon was zu tun ist und ihr könnt unmittelbar die richtige Handlung ausführen. Dieses schnelle und gefühlt unbewusste Handeln, ist aber dennoch willentliche und bewusst angesteuert und fällt in den großen Bereiche der Koordinationsfähigkeiten.


In Spielsituationen reagiert ihr bewusst (= willkürlich), daher handelt es sich eben nicht um Reflexe, sondern um eure Fähigkeit zu reagieren (Reaktionsfähigkeit).

Die Koordination ist eine sehr komplexe und wichtige Fähigkeit unter die eben auch die Reaktion fällt. Das heißt, Reaktion ist ein kleiner Teil der Koordination.

Zusammengefasst und für euch als “Key-Learning” kann gesagt werden, dass Reflexe im eSport keine große Rolle spielen, vielmehr ist eine optimierte Koordination von enormer Wichtigkeit und die kann glücklicherweise auf viele verschiedene Arten trainiert werden.


Hier noch ein paar zusätzliche Informationen aus unserem Interview mit csgo.alpenscene.at


Im eSport wird gern davon gesprochen, dass, wenn man älter wird, die Reflexe automatisch abbauen sollen. Was haltet ihr von dieser These?

Es ist leider Fakt, dass wir ca. mit 25 unser sportliches Leistungshoch erreichen und unser Körper anfängt zu altern, bei dem einen früher, beim anderen später. Mit dem Abbau, der schleichend passiert, passiert viel in unserem Körper, wir bauen schwerer Muskeln auf, Zellen regenerieren sich langsamer und wir werden auch verletzungsanfälliger. Das Wort „Reflex“ wird im Zusammenhang mit eSport etwas inflationär benutzt. Reflexe sind Vorgänge in unserem Körper, bspw. Ansteuerung von Muskulatur, die ohne willentlichen Einfluss stattfinden. Diese zu verbessern ist sehr schwierig und mehr abhängig von chemischen Abläufen in unserem Körper, als von willentlicher Bewegungsansteuerung. Wichtiger ist eine gute Koordination, was auch von der Verarbeitungsgeschwindigkeit im Gehirn abhängig ist. Also ja, unsere koordinativen Fähigkeiten, die häufig mit Reflexen gleichgesetzt werden, verlieren im Alter an Leistung, ABER sie können sehr lange auf einem hohen Level gehalten werden. Auch kann durch taktisches Geschick und Erfahrung im eSport viel wieder rausgeholt werden. Abschließend muss man auch noch sagen, dass körperliche Aktivität auch diesen Alterungsprozess verlangsamt, was wiederum bedeutet, dass es absolut wichtig für eSportler ist, sportlich aktiv zu sein. Mit (spezifischem) Training kann man also die fallende Leistungskurve abflachen.

Kann man Reflexe so trainieren, dass es keinen Leistungsverlust gibt?

Das ist eine sehr gute und gleichzeitig sehr komplexe Frage. Man muss hier, glauben wir, differenzieren. Denn irgendwann wird der Leistungsverlust eintreten, man kann ihn aber durch eine gute körperliche Verfassung hinauszögern. Worum es im eSport geht sind wie gesagt die koordinativen Fähigkeiten, wie Reaktions-, Differenzierungs- oder Handlungsschnelligkeit. Diese Fähigkeiten wiederum sind sehr gut trainierbar und bleiben auch lange erhalten, wenn sie gut ausgebildet sind. Dafür ist es nötig, sie auf unterschiedliche Weise zu trainieren, damit sie adaptierfähig und strapazierbar sind. Ein Beispiel wäre das periphere Sehen, also das was wir wahrnehmen, ohne unseren Augenfokus draufzusetzen. Das ist trainierbar und wenn das gut ausgebildet wird, hat man in heiklen und stressigen Spielsituationen einen Puffer für ein evtl. etwas langsamer gewordenes Aim. Auch hier gilt, spezifisches und zielgerichtetes Training macht absolut Sinn und wird helfen die Leistung länger auf einem hohen Level zu halten.



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